02.03.2018

Strick ein warmes Leibchen für Pernille * knit a warm camisole for Pernille

Man ist es kalt ! Wir haben hier seit fast einer Woch zweistellige Minusgrade. Alles klein Problem, wenn man nicht so lange draußen sein muß.

Pernille, das kleine Ding, ist aber immer draußen. Mehr oder weniger. So ist das eben, wenn man ein Huhn ist, und von morgens bis abends draußen herumlaufen kann. Warum um alles in der Welt ... stricke ich ein Leibchen für Pernille ?




Natürlich bekommen meine 5 Damen ( also die Hennen ) nicht alle eine Jacke an, oder Schal und Mütze, bloß weil es kalt ist, denn das wäre ja albern. Üblicherweise haben die Damen fluffige Federn, die sie schön warm halten, solange es nicht zu windig ist.

Im Auslauf und überall sonst liegt Stroh gegen kalte Füße, und sie können sich in das winddichte und mit einer Rotlichtlampe bewärmte Schlafhäuschen zurückziehen, wenn sie wollen.


 

Die liebe Pernille aber hat seit kurzem auf magische Weise eine nackte Brust, einen nackten Bauch und Po. Der Hals ist auf der Unterseite auch kaum befiedert. Entweder die Mauser ist schuld, oder Pernille beliebt gerade jetzt zu glucken ( zur falschen Jahreszeit )

Jetzt stellt Euch mal vor, ihr müßt bei -10 Grad für Stunden draußen herumflitzen, im Bikini, die Beine in dicken Strümpfen, Mütze ja - Jacke auch, aber die läßt sich nicht schließen.
Ja das wird so richtig eklig. Pernille geht es gerade genauso. Sie steht bei den anderen Damen und schlottert und schlottert.


Ins Haus nehmen kann ich sie nicht, denn dann werden die Hühner krank, sobald sie wieder rauskommen. Drei Monate im Haus will ich sie auch nicht haben, denn eigentlich ist die Hühnervilla warm genug.

💗


Das Schlafhäuschen hat eine Wärmelampe, die den ganzen Tag an ist. Ab und zu verschwindet ein Huhn um sich aufzuwärmen. Pernille gehört zur Zeit eigentlich nur da hinein, das geht aber nicht, weil sie das Leithuhn ist.

Hockt sie sich den ganzen Tag unter die Lampe, wird sie von der Gruppe gemobt, gepickt und drangsaliert und rutscht ganz ans Ende der Hackordnung. Also steht sie schlotternd draußen. Ein echtes Dilemma.

Was mache ich also ? Ich surfe durch verschiedene Hühnerforen. Dort kennt man das Problem - in Kanada wegen der heftigen Temperaturen und in Großbrittanien gab es eine Aktion für gerettete nackige Käfighühner. Dort wurden "Jumper for hens" gestrickt, gehäkelt oder genäht.

Hühnerbodies sozusagen, bzw. Wolleibchen. Das ist doch die Lösung ! Wolle als Ersatz für die Federn, die entweder komplett fehlen oder nur als Kiel zu sehen sind.

Herr Seidenfein hilft beim Hühnerfangen und ich nehme Maß.







1. Versuch 



Der Häkelbody sieht klasse aus und hat zwei praktische Knöpfe zum leichteren Anziehen.
Pernille wird gefangen, der Body .... ist zu knapp.




Pernille ist dicker als erwartet, der Body spannt und deshalb kann die Dame spontan nur noch rückwärts laufen. Sie wird von den 4 anderen Damen verfolgt, weil sie so tolle braune Käfer auf sich sitzen hat. Die will jede haben. Eigentlich sind es die Knöpfe, was wieder beweist, das Hühner nicht die hellsten sind. 

So geht das also nicht.



 






2. Versuch




Neues Modell, neue Wolle, neuer Versuch. Der Body ist zu weit am Hals, Pernille stopft ständig die Beine mit hinein. Alles sitzt dann an der falschen Stelle. Ein weiterer Mißerfolg, aber ich bleibe dran.





3. Versuch

Body 1 wird modifiziert und bekommt einen weiten Rundhalsausschnitt gestrickt, die Knöpfe fallen weg und sofort nimmt das Interesse der anderen Damen deutlich ab. Gut so.

Insgesamt liegt das Strickleibchen recht nah am Körper. Das ist für die nackten Stellen gut, die Flügel haben reichlich Platz und der Zwickel ist schmaler. Nun kann Pernille auch wieder vorwärts laufen.

Ganz glücklich bin ich noch nicht damit, denn es läßt sich sehr schwer anziehen, und die befiederten Stellen am Rücken werden platt gedrückt. Ich hoffe, es ist warm genug. Es scheint jetzt zu funktionieren.



Wollweißes Leibchen auf weißem Huhn ... 





Der Bauch ist jedenfalls endlich nicht mehr nackig 

 



Verwendet habe ich Dochtgarn aus 100% (Filz-) Wolle, gestrickt mit 4er Nadeln und das Ganze in Form gedämpft






Falls hier noch mehr Hühnerhalter unterwegs sind, deren Damen erfrieren - mauserbedingt oder wegen des Hahns am Rücken nackig, kann ich gern die Maße in den Blogbeitrag schreiben. Dann müßt Ihr nicht unbedingt hinter dem armen Ding herrennen. Pernille jedenfalls mag mich im Moment nicht mehr.




Macht es Euch gemütlich !
Eure Eva






Kommentare:

  1. Ich lach mich schlapp! Ich habe mir die drei Aktionen vorgestellt mit schnatterndem fliehenden Huhn, Herr und Frau Seidenfein, Maßband usw. Warum war da keiner, das zu Filmen?
    Bon week-end!
    Astrid

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  2. Liebe Eva,
    was für ein grandioser Post. Zum niederknien schön. Ich kenne niemanden der seine Hühner bestrickt. Die Hühner haben den Himmel auf Erden und legen bestimmt viele Eier. Das Leibchen sieht fantastisch an Pernille aus. :-))
    Alles Liebe, Anke

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  3. ohhhh...
    auch wenn es eigentlich traurig ist
    hab ich doch herzhaft gelacht..
    das arme Huhn :D
    aber fesch schaut sie jetzt aus und Hauptsache sie hat es warm
    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Liebe Eva,

    soviel Hühnerliebe muss doch mit ganz dicken Eiern belohnt werden. Erst musste ich grinsen und dann dachte ich, ja klar warum nicht, wenn es gut tut und hilft. Hühner sind doch so lieb, ich hätte auch gern so ein Paar oder noch mehr.
    Liebe Grüße, Burgi, ach ja, und Deine Decken sind grandios, alle beide.

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  5. Wie liebevoll ! Das finde ich ganz große Klasse!
    Hauptsache der Hühnerdame geht's wieder gut draußen bei den Temperaturen :)
    Und süß siehts auch aus ;)

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  6. Oh,wie schön. Auch wenn sie es nicht zu schätzen weiß, hat die weiße Dame ein wunderschönes Winterdress.Ich hatte beim Lesen Pipi in den Augen.
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Lydia

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  7. Wunderbar, was tut man nicht alles. Erst brennt man für die Idee, dem Schätzelchen zu helfen. Dann verzweifelt man fast bei der Umsetzung. Und dann, Schätzelchen hasst einen. Aber. Sieht süß aus und wärmt. Mission erfolgreich. Ich habe versucht, unserem operierten Kater einen Body zu stricken, um ihm diesen fürchterlichen Plastikkragen zu ersparen, den er so hasst. Rückwärts laufen, Beine im Body, alles war dabei. Ich habe aufgegeben, der Kater trägt den verhassten Kragen und er hasst mich.

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Wie schön, daß Du einen Kommentar schreibst ! Deine Eva