Donnerstag, 14. Juli 2011

der Reiz des Verblichenen und Vergilbten ... Axel Vervoordt the appeal of the faded

Auf einem anderen Blog bin ich auf den Sammler, Antiquitätenhändler und Einrichter Axel Vervoordt gestoßen.

Er richtet nach dem Motto ein: Die Zeit nicht als Feind, sondern das Verbündeten betrachten, Zerbrochenes und Gebrauchtes wiederverwenden... Jedem Raum eine eigene Seele geben, von Raum zu Raum reisen.

Was für eine schöne Einstellung zum Einrichten und Bewohnen eines Hauses !





Seele und Persönlichkeit des Bewohners entdecken und im Haus zum Ausdruck bringen. Die Dinge dicht und intensiv spüren, sich ohne Zwang neu orientieren, die Schönheit des Unfertigen genießen und die Natur integrieren. Etwas so gestalten, daß es wirkt, als wäre es schon immer so. ( Axel Vervoordt )




Axel Vervoordt ist als behüteter Sohn eines angesehen Pferdezüchters aufgewachsen und schon sehr früh durch das Handeln mit Antiquitäten wohlhabend geworden. Er richtet die Häuser sehr sehr reicher Leute ein - es ist eine gänzlich andere Welt. Manches ist mir ein bischen zu viel, aber die Grundgedanken finde ich sehr interessant. Und sagt selbst, es ist kein Stil, es ist eine Idee

Hier ein Online-Stream der ZDF-Mediathek


Anklicken : ZDF MEDIATHEK : Stream Hausbesuch bei Axel Vervoordt

Oh ja, das sind mal große Worte, und für mich ein richtiger AHA - Effekt. Ich habe vor Jahren als Gestalterin in einem exklusiven Einrichtungsgeschäft im Schloß Wendhausen gearbeitet. Dort habe
ich mit der Aussage " ich stelle mich ersteinmal mitten in den Raum, und fühle ihn, bevor ich etwas mache"  für Kopfschütteln gesorgt.

Aber so falsch liege ich da wohl doch nicht. Viele Räume haben eine Seele. Ich meine jetzt keinesfalls irgendetwas spiritistisches oder sonst abgedrehtes. Neue Häuser sind meist neu. Unbelebt, unbeschriebene Blätter, wie ein nagelneuer Schreibblock. Das ist nicht schlecht, aber es ist noch leer. Die Atmosphäre darf erst noch entstehen.

Alte Häuser, oder schon länger bewohnte, sind wie gelesene oder zerlesene Bücher für mich, sie erzählen.

Ich stelle mich hinein ... und da ist einfach etwas. Vielleicht bin ich das auch nur. Aber es ist in jedem Raum anders und von Haus zu Haus ebenfalls.

Unser Haus ist gutartig, bescheiden und zutraulich. Es meint es gut mit uns, und wir mit ihm. Es wird nur ganz vorsichtig verändert. Altes darf bleiben, und wenn etwas ersetzt werden muß, diskutieren wir lange hin und her ob es wirklich nicht anders geht.

Als wir das erste Mal in unserem Haus standen war es grau und einsam, aber nett. Es sah innen und außen schlimm aus. Baulich veraltet aber in Ordnung. Die Wände etwas feucht, die Fenster alt, kein Badezimmer, dunkel, und nur mit Einzelöfen zu beheizen. Die Fassade war grau mit Flechtenbewuchs.
Die Haustür war braun und hatte beige - gelbes Sicherheitsglas mir Riffeln, der Vorbau ebenfalls dunkelbraun und die seitliche Scheibe mit dem gleichen häßlichen Glas versehen.

Alle rieten und, den Kram abzureißen. Heute ist er schneeweiß , die Scheibe ist einer schöne großen Öffnung gewichen. Behutsam verändert und nun wirklich schön anzusehen.

Inzwischen ist das Haus hell und freundlich - vielleicht sogar fröhlich - und wird immer als sehr einladend empfunden. Es ist voller Leben.

Vieles von dem, was Vervoordt sagt, kann auch im eigenen Haus verwirklicht werden, egal ob es nun groß oder klein, ein Schloß oder nur ein einfaches kleines Häuschen ist.

Seelen sind ja glücklicherweise nicht davon abhängig, ob wir wohlhabend sind oder nicht.
und wenn man nach der Seele sucht, wird man sie auch finden.


Genug philosophiert .... bis morgen !

         Eva

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